Klick – Mein Magic Moment im Journalismus

Sylvia Egli von Matt, Direktorin MAZ

Was tue ich eigentlich? Was macht meine Arbeit aus? Bin ich nun eine waschechte Journalistin? Auf solche Fragen habe ich damals keine Antwort. Ich fühle mich (noch) nicht als Journalistin. Stattdessen schreibe ich einfach drauflos, für Zeitungen und Zeitschriften, jeden Tag aufs neue. Bis zu jener Anfrage der Basler Zeitung: «Du bist Innerschweizerin und somit wohl katholisch. Kannst du für uns den Papstbesuch abdecken?» Ich zögere keine Sekunde und sage freudig – und auch stolz – zu. Obwohl ich keine Ahnung habe, was eine Enzyklika ist, geschweige denn, was in den einzelnen steht. Ich bin – ohne Vorrecherche notabene – stattdessen voller Stolz dabei, als Johannes Paul II auf dem Flughafen Lugano landet. Ich bin in Flüeli-Ranft dabei, in Einsiedeln und auch beim Abschied an der Uni Fribourg. Ich bin vor Ort und berichte. Und ich werte auch! Obwohl ich schnell an meine Grenzen stosse. Dass ich die Tage einigermassen anständig «überlebe», verdanke ich den beiden Kollegen bgt und hm vom Tages-Anzeiger, die mit Geduld und Fachwissen meine Texte auf inhaltliche Fehler prüfen. Ohne sie wäre meine journalistische Karriere womöglich schnell in einer Sackgasse gelandet.Die Lehre daraus: Selbstbewusstsein im Journalismus ist gut und wichtig. Selbstüberschätzung kann fatal sein. Vor allem, wenn sie gepaart ist mit Ignoranz. Dann ist das Debakel perfekt. Für die eigene Persönlichkeit, aber auch für den Journalismus als Ganzes.Im vergangenen Jahr war mit Papst Benedikt wieder ein Papst in der Schweiz. Hätte mich eine Redaktion als Berichterstatterin angefragt, ich hätte aus tiefster Überzeugung ‚Nein’ gesagt. Obwohl ich mich nun seit 30 Jahren als Journalistin fühle.

Sylvia Egli von Matt, Direktorin MAZ

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