Hannes Britschgi: Wie wir 9/11 bei FACTS managten

Hannes Britschgi, Ringier-Publizist und MAZ-Dozent

Mein Schlüssel-Moment? Ganz klar, 9/11. Ich war damals Chefredaktor des Schweizer Nachrichtenmagazins FACTS. Es passierte an einem Dienstagnachmittag. Es war irgendwie surreal. Ein Flieger rast in einen der Twin-Towers. Alle standen vorm dem Bildschirm und schauten CNN. Ein Unfall? Wie konnte das passieren? Plötzlich ein zweites Flugzeug mit Kurs auf die Zwillingstürme. Flammeninferno auch im zweiten Turm und damit die Gewissheit: Das sind Terrorattacken! Wir sassen sofort zusammen, verteilten die ersten Aufgaben bis zur grossen Konferenz um 18 Uhr. Es war unser Abschlusstag.  Dann die Attacke auf das Pentagon!

Das Heft für Donnerstag war zu einem guten Teil schon produziert und gedruckt. Ich wolle wissen, wie viele Seiten noch nicht im Druck sind. Es waren über 40. Wir haben den Druck sofort stoppen lassen. Meine Kolleginnen und Kollegen reagierten hervorragend. Innert Stundenfrist hatten sie zu allen Bereichen interessante Themenvorschläge. Wir haben entschieden, den inneren Heftteil neu zu produzieren. So waren wir am Donnerstag mit über 40 Seiten zu 9/11 am Kiosk und bei den Abonnentinnen und Abonnenten.

Die Konzentration, Schnelligkeit und Professionalität, die ich an diesem 11. September 2001 auf unserer Redaktion erlebt habe, werde ich nie mehr vergessen. Unser freier Autor vor Ort zum Beispiel, Peter Hossli, kaufte sich in New York sofort eine Digitalkamera und belieferte uns mit aktuellen Bildern und O-Ton von Passanten. Mitten in der Nacht Meldungen über Raketenangriffe in Afghanistan. Natürlich erneut eine grosse Aufregung bei uns. Jeder und jede wuchs in diesen langen Stunden über sich hinaus. Ich bin noch heute stolz auf mein Team. In einem historischen Moment haben wir bestanden. Diese FACTS-Nummer habe ich mir aufbewahrt.

Hannes Britschgi, Publizist Ringier – und Dozent am MAZ im Interviewkurs

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