Wie ich beim Augenschein auf die Frau kam

Frank Baumann, Werbefachmann, Radio- und Fernsehmoderator, Satiriker und Fernsehproduzent.

Das war im Februar 1979. Der Zürcher Fluchthelfer Hans Lenzlinger wurde in seinem Haus an der Ackersteinstrasse 116 in Zürich von Unbekannten hingerichtet. Mit fünf Schüssen. Da es keine Fotos gab und  ich damals nicht nur als Journalist, sondern auch als Gerichtszeichner unterwegs war, fiel mir die ehrenwerte Aufgabe zu, für den Blick Lenzlingers Leichnam zu zeichnen. Während ich fleissig mit dem Stift am Stillleben kritzelte, konnte ich natürlich nicht ahnen, dass ich eines Tages Lenzlingers Nichte kennenlernen würde. Und erst recht nicht, dass ich diese Gabriella, die junge Frau also, die als Mädchen an besagter Ackersteinestrasse ein und aus und mit der zahmen Gepardin spazieren ging, heiraten würde. Ich war jung, frei und single und lebte nach dem Motto, das mir damals ein Kollege vom Stern mit auf den Weg gegeben hatte: «Nichts ersetzt den Augenschein, kleine Käseschweizer!» Hätte ich den Job abgelehnt, hätte ich mich um mehr als ein journalistisches Schlüsselerlebnis gebracht, um ein Schlüsselerlebnis im Leben.

Frank Baumann ist Werbefachmann, Radio- und Fernsehmoderator, Satiriker und Fernsehproduzent. Zusammen mit seiner Frau Gabriella Baumann-von Arx betreibt er die Wörterseh GmbH.

Bild: (C) SRF

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