Toni Widmer – Wie ich Journalist geworden bin

Toni Widmer, Reporter Aargauer Zeitung

Mit Fünfzehn wollte ich Bauer werden. Oder Landmaschinenmechaniker. Das passte dem Berufsberater gar nicht. Als Nicht-Bauernsohn hätte ich in der Landwirtschaft keine Zukunft und das Handwerk hätte auf meine linken Hände auch nicht gewartet. Er unterstützte meine Eltern, die den schulfaulen Sohn erst in ein Institut und später an die Uni schicken wollten.

Ich drohte mit Abhauen und durfte Schriftsetzer werden. Ein vom Berufsberater vorgeschlagener Kompromiss zwischen handwerklicher und akademischer Laufbahn. Vater war begeistert und ich ebenso. Mein Vater war FC-Präsident und der von ihm geschätzte Trainer der 1. Mannschaft im Hauptberuf Schriftsetzer.

Im Hinblick auf die sich abzeichnende technische Umwälzung im grafischen Gewerbe schickte mich mein Lehrmeister (der Fussballtrainer) schon bald in einen Schreibmaschinenkurs in der Handelsschule. Als ich das Zehnfingersystem beherrschte, wurde ich offizieller Matchberichterstatter. Und mit knapp 17 Jahren Dorf-Korrespondent für die Lokalzeitung. Deren Chefredaktor war aufgrund meiner Matchberichte auf mich aufmerksam geworden und hatte mir «eine gute Handschrift ttestiert.

Ihm begegnete ich Jahre später wieder, als ich nach den üblichen Lehr- und Wanderjahren als Schriftsetzer bei seiner Lokalzeitung zu arbeiten begann. Ich war dank meiner inzwischen erworbenen Kenntnisse und Erfahrung im Fotosatz massgeblich an der Umstellung der Produktion von Blei- auf Fotosatz beteiligt und der Chefredaktor brachte mich dazu, daneben auch wieder als freier Mitarbeiter über Wochenend- und Abendveranstaltungen zu schreiben.

Dann kündigte ein langjähriger Redaktor. Man suchte, aber fand den ersehnten erfahrenen Lokaljournalisten nicht. An einem Freitagnachmittag wurde ich ins Büro gerufen. Dort fragten mich Verleger und Chefredaktor (zwei Brüder): «Wollen Sie auf die Redaktion wechseln? Sie haben zwar keine Erfahrung, aber wir haben keinen besseren gefunden. Bei Ihnen wissen wir wenigstens, dass sie fleissig sind. Und ja, es gäbe dann 1000 Franken mehr Lohn, dafür müssten Sie aber regelmässig am Abend und am Wochenende arbeiten.»

Am darauf folgenden Montag bezog ich mein erstes Redaktionsbüro. Das war vor ziemlich genau 30 Jahren.

Toni Widmer, heute Reporter bei der Aargauer Zeitung

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